Bäume pflanzen für den Klimaschutz – aber wie?

Die Bonner Regenwaldstiftung OroVerde erklärt, worauf es bei Wiederaufforstungen in den Tropen ankommt und wie jeder helfen kann.

Friday, August 21, 2020,
Von Jens Voss
Baumschule in Guatemala

Polochic, Guatemala: In der Baumschule Rio Chiquito werden Bäume herangezogen, die später in Projektgemeinden zur Aufforstung oder zum Anlegen von Waldgärten genutzt werden.

Bild OroVerde

Klimaschützer Wald: Fast ein Drittel der weltweiten Landfläche ist mit Wäldern bedeckt. Auch in Deutschland. Sie entziehen der Atmosphäre Kohlendioxid und haben damit eine wichtige Funktion für das Klima. Denn Wälder sind gigantische Kohlenstoffspeicher. Für ihr Wachstum nehmen sie das Treibhausgas Kohlenstoffdioxid direkt aus der Luft auf und lagern es als Kohlenstoff ein. So leisten sie einen wichtigen Beitrag zum Kohlenstoffkreislauf, der für das Leben auf der Erde notwendig ist. Tropischen Regenwäldern kommt dabei eine besondere Bedeutung zu, unterstreicht der WWF. Ihr immergrünes Dickicht speichere gut 50 Prozent mehr Kohlenstoff als andere Wälder.

Die Kehrseite der Medaille: Werden Wälder gerodet und verbrannt, gelangt ein Großteil des Kohlenstoffs als Kohlendioxid in die Atmosphäre. Das Treibhausgas entsteht aus der Verbindung des Kohlenstoffs mit dem Sauerstoff aus der Luft. Das Klima heizt sich auf, weil der Mensch mehr Kohlendioxid in die Atmosphäre emittiert, als Wälder, Moore oder Meere aufnehmen können.

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Der WWF hat errechnet, dass rund 13 Prozent der weltweiten Treibhausgasemissionen aus der Vernichtung von Wäldern stammen. Kein Wunder, dass Baumpflanzaktionen nicht zuletzt seit den fortschreitenden Amazonas-Bränden auf dem Vormarsch sind.

Walderhalt ist immer die beste Lösung

Bäume pflanzen, Kohlenstoff binden, Klimawandel aufhalten – die Gleichung klingt simpel. Doch ganz so einfach ist es nicht, betont Elke Mannigel, Projektleiterin bei der Tropenwaldstiftung OroVerde in Bonn: „Grundsätzlich ist das Vermeiden von Entwaldung immer das bessere Mittel.“ Tatsächlich könne es Jahrzehnte dauern, bis sich Regenwälder dahingehend regenerieren, dass sie wieder komplette ökologische Funktionen übernehmen.

Trotzdem könnten Wiederaufforstungen langfristig zusätzliche Klimaschutzwirkungen entfalten – wenn man zunächst Emissionen aus fossilen Energieträgern reduziert und bestehende Wälder schützt. Wie viel Kohlenstoff gebunden wird, sei je nach Baumart, Boden, Standort, Wachstum, Alter, Gesundheit und Nährstoffversorgung unterschiedlich. Die Grundformel: Je mehr Biomasse ein Baum bildet, desto mehr Kohlendioxid zieht er aus der Luft.

Mit einem neuen Klimaschutz-Ratgeber will OroVerde aufzeigen, inwiefern ein nachhaltiger und durchdachter Waldwiederaufbau zum Klimaschutz beitragen kann. Dabei komme es nicht nur darauf an, die richtigen – sprich einheimischen – Bäume an den geeigneten Stellen naturnah anzupflanzen. „Ein wichtiger Ansatz für den Tropenwaldschutz besteht darin, lokale Initiativen zu stärken und die Landrechte so zu regeln, dass die lokale Bevölkerung mit und von dem Wald leben kann“, sagt Mannigel. Es gebe viele lokale Projekte mit Menschen, die sich engagieren, die etwas ändern wollen, die alternative ökologische Bewirtschaftungsmodelle mit Kleinbauern aufbauen.

Waldgärten nach Vorbild der Regenwälder

Wie lassen sich Ökologie und Ökonomie in Einklang bringen? Einen vielversprechenden Ansatz sieht OroVerde in sogenannten Agroforst-Systemen – landwirtschaftlichen Flächen, auf denen Tropenbäume und Sträucher mit Ackerkulturen wie Mais, Bohnen oder auch Ananas kombiniert werden. Als Vorbild dient der artenreiche Stockwerkbau des ursprünglichen tropischen Regenwaldes: Unter großen Schattenbäumen werden unterschiedliche Nutzpflanzen angebaut.

Waldgärten wie dieser in der Gemeinde La Tecnica in Guatemala sichern der lokalen Bevölkerung ein Einkommen und bilden ein waldnahes Ökosystem.

Bild Michael Metz

Anders als Monokulturen sollen Agroforst-Systeme wie der natürliche Wald das Regenwasser speichern und so den Nährstoffkreislauf wieder in Schwung bringen. Weil viele verschiedene Pflanzen gemeinsam angebaut werden, gilt die Anbaumethode als widerstandsfähig gegen Krankheiten. Wird eine Nutzpflanze krank, gibt es noch andere Arten, die geerntet werden können.

Solche „Waldgärten“ legt die Tropenwaldstiftung mit einheimischen Bauern in gemeinsamen Projekten an. Ziel sind arten- und strukturreiche Grünflächen, die über Jahrzehnte verlässliche Ernten sichern und zugleich wichtige ökologische Funktionen der ursprünglichen Urwälder übernehmen.

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„Als Tropenwaldstiftung sind uns zwei Aspekte von Baumpflanzungen besonders wichtig: die Artenvielfalt und die Zusammenarbeit mit der Bevölkerung vor Ort“, erklärt Vorständin Martina Schaub. „Es gilt, die kleinbäuerlichen Familien und lokale Initiativen dabei zu unterstützen, naturnah zu wirtschaften und zugleich die Ernährungssicherheit zu erhöhen.“ Das Interesse der Gemeinden, den Wald zu schützen, werde umso größer, je mehr die Gemeindemitglieder vom Wald profitieren.

Wer Baumpflanz-Projekte beispielsweise mit Spenden unterstützen möchte, sollte nach Worten der OroVerde-Experten deshalb vor allem auf drei Faktoren achten: Ist der Ort für nachhaltige Wiederaufforstungen geeignet und die Anbauweise naturnah? Außerdem müsse klar sein, ob und wie die neubepflanzten Flächen genutzt werden sollen.

Mehr über die Regenwald-Schutzprojekte von OroVerde: www.regenwald-schuetzen.org/unsere-projekte/

Jens Voss

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