Wissenschaft

Gewaltigster T. rex der Welt entdeckt

Der zu Lebzeiten 8,8 Tonnen schwere Raubsaurier wog mehr als ein ausgewachsener Elefant und wurde zudem ziemlich alt.Wednesday, March 27

Von Michael Greshko
Das 1991 entdeckte Exemplar eines Tyrannosaurus rex, das den Spitznamen Scotty erhielt, wog wohl um die 8,8 Tonnen. Damit ist er der schwerste T. rex, der je gefunden wurde.

In einer kanadischen Fossilfundstelle verbarg sich der schwerste Tyrannosaurus rex, der je gefunden wurde. Das Tier wog zu Lebzeiten schätzungsweise um die 8,8 Tonnen – bei Weitem mehr als die meisten heutigen Elefanten.

Der Dinosaurier, der letzte Woche in „The Anatomical Record“ vorgestellt wurde, besteht aus einem zu 65 Prozent erhaltenen Skelett, zu dem der Schädel und die Hüfte sowie einige Rippen, Beinknochen und Schwanzwirbel gehören. Für seine Art war Scotty, wie der T. rex getauft wurde, fast schon ein Rentner, da er es auf mindestens 28 Jahre gebracht hatte.

Vor etwa 68 Millionen Jahren war die kanadische Landschaft, in der Scotty lebte, ein subtropisches Küstenparadies. Sein Leben dort war jedoch gewiss kein Urlaub. Unter den Überresten des Dinosauriers befinden sich eine gebrochene und eine verheilte Rippe, eine große Knochenwucherung zwischen zwei Zähnen – Anzeichen für eine Infektion – und gebrochene Schwanzwirbel, die womöglich das Ergebnis eines Bisses von einem anderen Tyrannosaurier sind.

„Es war kein einfaches Leben, wenn man sich all diese Verletzungen ansieht, selbst für den König der Raubsaurier“, sagt Nizar Ibrahim, ein Paläontologe der University of Detroit Mercy, der an der Studie nicht beteiligt war.

Der Fund lässt vermuten, dass große Raubsaurier wahrscheinlich älter und größer wurden, als es Paläontologen auf Grundlage der bisherigen Fossilien annahmen. Von allen bekannten Arten zählt der T. rex zu jenen ausgestorbenen Dinosauriern, die bislang am häufigsten gefunden wurden. Mittlerweile wurden mehr als 20 Individuen entdeckt.

„Je mehr Exemplare wir von den anderen Theropoden finden, desto mehr Scottys werden wir finden: besonders große und besonders alte Individuen“, sagt der Studienleiter Scott Persons, ein Forscher der University of Alberta. „Es würde mich nicht überraschen, wenn diese Tiere die Spanne der Körpergröße noch erweitern würden und dabei potenziell an den T. rex heranreichen oder ihn sogar übertreffen.“

Große Knochen

Scotty ist Paläontologen schon seit 1991 bekannt. Damals wurden seine Knochen an einer Fundstelle im kanadischen Saskatchewan ausgegraben. Um die Entdeckung des T. rex zu feiern, wollte das Grabungsteam einen Toast auf das Tier aussprechen. Aber alles, was sie noch zur Hand hatten, war eine Flasche Scotch – und so kam der Dinosaurier zu seinem Namen.

Es dauerte mehr als zwanzig Jahre, bis die Wissenschaftler Scottys Überreste endlich umfassend untersuchen konnten. Seine riesigen Knochen waren in extrem hartem Gestein eingebettet, was eine Freilegung schwierig machte. Schlussendlich hatte man die Knochen aber vom Gestein gelöst und Persons Team konnte das Alter und die Größe des Tieres rekonstruieren.

Querschnitte der Knochen zeigten ihre bemerkenswert robuste Struktur. Sie ähnelten in dieser Hinsicht den Knochen eines anderen T. rex, der ebenfalls ungefähr im Alter von 28 Jahren verstarb. Insbesondere der Oberschenkelknochen enthielt einen wichtigen Hinweis auf Scottys Größe.

Durch die Untersuchung lebender Tiere entdeckten Wissenschaftler einen spannenden Zusammenhang: Je breiter der Oberschenkelknochen ist, desto mehr Gewicht trägt er für gewöhnlich. Scottys Femur hatte einen Durchmesser von sage und schreibe 20 Zentimetern. Das bedeutet, dass seine zwei Beine mehr als 8,8 Tonnen tragen konnten. Wendet man dieselbe Methode auf Sue an, den berühmten und vollständigen T. rex im Field Museum von Chicago, kommt man auf etwa 8,4 Tonnen.

Schnell und schlank

Allerdings ist der Knochendurchmesser kein Garant für eine genaue Gewichtsberechnung. Tierische Knochen müssen schließlich nicht einfach nur das Gewicht des Lebewesens tragen, sondern auch den Kräften standhalten, die durch Bewegung entstehen. Es deutet einiges darauf hin, dass Tyrannosaurier womöglich schneller und agiler waren als andere große Raubsaurier, beispielsweise frühe Allosaurier. Womöglich waren die Beinknochen der Tyrannosaurier daher ein wenig strapazierfähiger, um der Belastung beim schnellen Laufen standzuhalten. In dem Fall hätten die Forscher Scottys Gewicht ein wenig überschätzt.

Außerdem ist das Körpergewicht nur eine Möglichkeit, um die „Größe“ eines Tieres anzugeben – und nicht alle Raubsaurier waren vergleichbar gebaut. Tyrannosaurier wie der T. rex hatten eine eher kompakte Statur, während andere Arten schmaler und länglicher gebaut waren. Einigen Forschern zufolge könnte es selbst innerhalb der Art des T. rex solche Unterschiede gegeben haben, da auch schon schlankere Individuen gefunden wurden.

Bei keiner Art wird dieses Rätsel so deutlich wie beim Spinosaurus, einem semiaquatischen Dinosaurier, der vor etwa 100 Millionen Jahren auf dem Gebiet des heutigen Nordafrika lebte. Von der Nase bis zur Schwanzspitze war das Tier etwa 15 Meter lang und damit länger als T. rex. Würde man sein Gewicht aber anhand seines Oberschenkelknochens schätzen, käme man nur auf etwa 1,6 Tonnen.

Realistisch betrachtet wog Spinosaurus aber fast mit Sicherheit mehr. Man vermutet, dass er die meiste Zeit im Wasser verbrachte und daher auch mit dünneren Knochen zurechtkam. Außerdem waren seine Knochen viel dichter als bei anderen Raubtieren. Diese Eigenschaft hilft heute noch lebenden semiaquatischen Dinosauriern – wie den Pinguinen –, einen gewissen Auftrieb zu halten.

„Der Spinosaurier tanzt da etwas aus der Reihe“, sagt Ibrahim, der von National Geographic gefördert wurde und die Überreste des Spinosaurus entdeckte. „Er ist ein hoch spezialisierter Theropode, der eine einzigartige Ökologie und Umwelt hatte – er ist mehr so was wie ein Flussungeheuer.“

Aktuell bleibt Persons aber erst mal bei den Ungeheuern an Land. Er erforscht weiterhin Scottys Überreste, insbesondere Details wie die dramatischen Augenwülste und die „Hörner“ an der Seite des Schädels.

„Alle reden darüber, wie groß dieses Exemplar ist“, sagt er. „Mir gefallen aber tatsächlich all die kleinen Details am besten – die kleinen Seltsamkeiten.“

Der Artikel wurde ursprünglich in englischer Sprache auf NationalGeographic.com veröffentlicht.

 

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