Tiere

Chamäleon wurde von tropischer Sonne lebendig mumifiziert

Selbst Reptilien, die an das Leben in heißen Gegenden angepasst sind, können dem Hitzestress erliegen. Das wird auch in Zukunft ein Problem sein, wenn sich das Klima erwärmt.Freitag, 3. November 2017

Von Jason Bittel
Ein von der tropischen Sonne lebendig mumifiziertes Chamäleon.

Tod durch Austrocknung ist keine angenehme Angelegenheit, aber er hinterlässt einen sehenswerten Leichnam.

So erging es einem Chamäleon der Art Chamaeleo zeylanicus, das scheinbar bei dem Versuch starb, von einem Leitungsrohr zu trinken, dessen Wasserzufuhr abgestellt war. Die Autorin und Tierfilmerin Janaki Lenin beobachtete den makaberen Vorgang vor Kurzem in Indien.

Laut Lenins Posts schien es, als verstarb das Tier, während es sich an einen Wasserhahn klammerte. Im Anschluss wurde es rasch durch die unerbittliche tropische Sonne mumifiziert. Zwei kleine Löcher im Leichnam des Tieres deuten darauf hin, dass sich Ameisen über dessen Innereien hergemacht und so den Konservierungsprozess vervollständigt haben.

Selbst Tiere wie Chamäleons, die an das Leben in heißen Umgebungen angepasst sind, können dem Hitzestress erliegen, sagt Jeanine Refsnider, eine Herpetologin an der Universität von Toledo in Ohio.

Alle Tiere „können Temperaturen bis zu einer bestimmten Grenze aushalten“, sagt Refsnider, „und wenn die Temperatur darüber hinausgeht, falten sich die Proteine im Körper auseinander.“

„Auf zellulärer Ebene beginnen die Zellen dann zu zerfallen, und sobald das passiert, kann man das nicht wirklich rückgängig machen.“

Daher könnte es für Mensch und Tier, die bereits in warmen Klimazonen leben, durchaus eine schlechte Nachricht sein, dass es aufgrund des Klimawandels vermehrt zu Hitzewellen kommt. Laut einer neuen Studie sind bereits heute 30 Prozent der Menschen weltweit jährlich 20 oder mehr Tagen potenziell tödlicher Hitze ausgesetzt. 

SCHWERER SCHLAG FÜR REPTILIEN

Es lässt sich natürlich nicht nachprüfen, ob und in welchem Maße der Klimawandel für den Tod dieses spezifischen Tieres verantwortlich war. Aber Refsnider sagt, dass es Reptilien wie Chamaeleo zeylanicus schlimmer als alle anderen Tiere treffen könnte, wenn sich die Erde erwärmt.

Da Reptilien Kaltblüter sind, wird ihre Körpertemperatur durch ihre Umgebung bestimmt, so Refsnider. Sie können ihre Körpertemperatur zwar regulieren – zum Beispiel, indem sie sich in den Schatten oder die Sonne begeben –, aber wenn sie sich nirgends Linderung verschaffen können, dauert es nicht lange, bis sie sterben.

„Viele der Reptilien, die in der Wüste oder den Tropen leben, befinden sich bereits in Gebieten, deren Temperaturen an der Grenze ihrer Überlebensfähigkeit kratzen. Daher kann selbst ein geringer zusätzlicher Temperaturanstieg zu extremem Hitzestress führen“, sagt Refsnider.

Zwei Meerechsen auf Fernandina Island der Galapagosinseln ruhen sich neben dem mumifizierten Leichnam einer anderen Meerechse aus, die vermutlich verhungert ist.

Darüber hinaus haben Forscher bereits Hinweise darauf gefunden, dass bestimmte Reptilienarten auf der ganzen Welt durch die Klimaänderung dahinschwinden. Forschungen deuten beispielsweise darauf hin, dass Schildkröten und Leguane auf den Galapagosinseln und die Gila-Krustenechsen des Südwestens von Amerika von sinkenden Populationszahlen bedroht sind.

EINE WELT VOLLER MÄNNCHEN?

Schlangen, Schildkröten und Eidechsen müssen aber nicht nur mit der Hitze fertig werden.

Bei vielen Reptilienarten bestimmt die Umgebungstemperatur, welches Geschlecht ein Nachkomme noch im Ei ausbildet. Das bedeutet, dass die globale Erwärmung zu Reptilienpopulationen führen könnte, die einen starken Überhang an Männchen oder Weibchen aufweisen, so Refsnider.

Auf dem North Brother Island von Neuseeland haben die steigenden Temperaturen schon für eine männliche Populationstendenz bei den Brückenechsen gesorgt. Neueste Erhebungen zeigen zunehmend weniger Weibchen.

Zum Glück, so Refsnider, haben Zierschildkröte eine gewisse Anpassungsfähigkeit gezeigt, indem sie sich in heißen Jahren einfach schattigere Orte für ihre Gelege suchen. Aber selbst diese Strategie hat ihre Grenzen.

„Ab einem gewissen Punkt, wenn die Umgebungstemperatur zu stark ansteigt, wird selbst der Schatten nicht mehr kompensieren können.“

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