Bekommen Großkatzen Haarballen?

Hauskatzen fördern oft schleimige Haarknäuel wieder zutage, ihre großen Verwandten dagegen eher selten.Montag, 25. November 2019

Manchmal kann man sich nur schwer entscheiden, welches Geschenk der Katze das schönste ist: der angefressene Käfer, ein Häufchen Erbrochenes oder die Haarballen?

Doch irgendwann findet sich wohl jeder Katzenbesitzer mit den ausgewürgten Haarknäuel seines vierbeinigen Lieblings ab – denn Hauskatzen verbringen bis zur Hälfte ihrer Wachphasen damit, sich zu putzen.

Wir haben uns nun jedoch gefragt, ob es Wildkatzen auch so geht.

Fotoarche: Seltene Katzenarten

Lebensinhalt: Putzen

Alle Katzenarten, egal ob wild oder nicht, haben mit Haarballen zu kämpfen, erklärt Letitia Fanucchi, eine Tierverhaltensforscherin an der Washington State University per Email. Mit dem Putzverhalten beruhigen sich Hauskatzen nicht nur, es hält ihr Fell auch sauber und glatt. „Sie müssen auf leisen Sohlen unterwegs sein, um von Beutetieren nicht bemerkt zu werden. Es hilft, wenn man dabei sauber ist.“

Doch darin liegt auch das Problem.

„Wenn eine Katze sich putzt, bleiben viele Haare an ihrer rauen Zunge hängen, die dann abgeschluckt werden. Diese Haare sind jedoch unverdaulich.“ Also müssen die Haare die Katze auch irgendwie wieder verlassen – entweder durch heraushusten, hochwürgen oder mit dem Kot. Und dieses Verhalten zeigen laut Fanucchi alle Katzenarten.

Auch Wildkatzen besitzen kleine Hornzähnchen, sogenannte Papillen, auf ihrer Zunge, die gerade in der freien Wildbahn von großem Nutze sind. „Eine Theorie für die Entstehung der Papillen besagt, dass die Tiere so leichter das Fleisch ihrer Beute vom Knochen lösen und es ins Maul befördern können“, erklärt Natalia Borrego, eine wissenschaftliche Mitarbeiterin am University of Minnesota Lion Center.

Sie hat jedoch noch nie einen Löwen, egal ob in der Wildnis oder in Gefangenschaft, dabei beobachtete, wie er einen Haarballen ausspuckt, „obwohl es keine physiologischen Grund gibt, dass sie keine produzieren“, meint sie in einer Email.

Haarballen können ein Anzeichen für versteckte Probleme des Verdauungstrakts – wie bespielsweise einer entzündlichen Darmerkrankung – sein, gibt Matthew Johnston an, der als Assistenzprofessor am tierärztlichen Lehrkrankenhaus der Colorado State University tätig ist.

Es wäre auch möglich, dass industriell hergestelltes Tierfutter solche Verdauungsprobleme hervorruft, doch das ist ein kontrovers diskutiertes Thema, sagt Johnston.

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Löwen, Tiger und ihre Haare

Unabhängig vom Grund kann man bei Katzen jeder Größe das gleiche Putzverhalten beobachten, doch Haarballen kommen „bei Großkatzen ziemlich selten vor“, egal ob sie in Gefangenschaft leben oder nicht, meint er.

Kleineren Wildkatzen wie Servale oder Ozelots werden in Gefangenschaft oft ähnlich wie Hauskatzen gefüttert, während Großkatzen wie Jaguare und Leoparden Fleisch und ganze Futtertiere zu fressen bekommen. Das könnte ein Grund dafür sein, warum kleine Katzen ab und zu Haarballen hochwürgen, sagt Johnston.

In einigen seltenen Fällen haben jedoch auch Großkatzen in Gefangenschaft mit den lästigen Haarknäuel zu kämpfen.

2015  mussten Tierärzte der Colorade State einen fast 2 Kilogramm schweren Haarballen aus dem Magen von Arthur, einem Afrikanischen Löwen aus dem Wild Animal Sanctuary in Keenesburg, Colorado, chirurgisch entfernen. Das Tier hatte im Vorfeld zunehmend weniger gefressen und dadurch an Gewicht verloren.

Als ein Tiger im Wildlife Rescue and Rehabilitation Center in Clearwater, Florida, erste Anzeichen von Appetitverlust und Apathie zeigte, entdeckten die Tierärzte einen 2 Kilo schweren Haarballen in seinem Inneren – der laut der Tampa Bay Times ebenfalls operativ entfernt wurde.

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Königliches Verhalten

Löwen geben ein Geräusch von sich, das dem Hochwürgen eines Haarknäuels ähnlich klingt, jedoch „einen typischen Kontaktruf bzw. das Brüllen der Löwen darstellt“, sagt Borrego.

„Der Kehlkopfaufbau ist bei Löwen, Tigern, Leoparden und Jaguaren anders als bei anderen Katzen. Sie besitzen speziell geformte Stimmlippen, mit deren Hilfe sie das laute, tiefe Brüllen erzeugen“, fügt sie hinzu.

Wahrscheinlich würde sich der König der Tiere auch nie bei einer so entwürdigenden Handlung wie dem Hochwürgen eines Haarballens beobachten lassen.

Der Artikel wurde ursprünglich in englischer Sprache auf NationalGeographic.com veröffentlicht.

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