Katzen und Corona: Das sollte man wissen

Die Fallzahlen von Katzen, die sich mit dem neuen Coronavirus infiziert haben, sind verschwindend gering. Bisher gibt es keine Hinweise darauf, dass Haustiere das Virus auf Menschen übertragen können.

Monday, April 27, 2020,
Von Rachael Bale
Eine Hauskatze wird am 21. April 2020 in einer Klinik der San Diego Humane Society untersucht. ...

Eine Hauskatze wird am 21. April 2020 in einer Klinik der San Diego Humane Society untersucht. Zwei Katzen in New York wurden als erste Exemplare ihrer Art in den USA positiv auf das neue Coronavirus getestet.

Bild ARIANA DREHSLER, AFP/GETTY IMAGES

Zwei Hauskatzen im Bundesstaat New York waren die ersten in den USA, die positiv auf das neue Coronavirus SARS-CoV-2 getestet wurden, wie die Centers for Disease Control and Prevention (CDC) am 22. April verkündeten. Beim Besitzer einer der beiden Katzen war COVID-19 diagnostiziert worden. Im Haushalt der anderen Katze wurde jedoch niemand positiv auf die Krankheit getestet, weshalb unbekannt ist, wie sich die Katze das Virus zugezogen hat. Beide Haustiere zeigten milde Symptome einer Atemwegserkrankung und werden voraussichtlich wieder genesen.

Experten betonen, dass es nur verschwindend geringe Fallzahlen von Hauskatzen gibt, die sich mit dem Coronavirus anstecken: Weltweit sind bislang nur drei Fälle bestätigt worden (zwei weitere bestätigte Fälle betrafen Hunde). Den CDC zufolge gibt derzeit auch keinerlei Hinweise darauf, dass das Virus von den infizierten Haustieren wieder auf Menschen zurückspringen könnte.

Galerie: Katzen aus aller Welt

„Das ist eine fast ausschließlich von Mensch zu Mensch übertragene Krankheit“, erklärte Michael San Filippo, ein Sprecher für die American Veterinaty Medicine Association, im Interview mit NBC. „Das Risiko für Haustiere ist sehr gering. Es traten nur eine Handvoll Fälle auf, bei denen das Virus in Haustieren nachgewiesen wurde – und keinerlei Fälle, bei denen sich Menschen bei ihren Haustieren ansteckten.“ (Viele andere menschliche Krankheiten wie Erkältungen stellen für Haustiere keine Gefahr dar. Sie werden von artspezifischen Viren ausgelöst, die keine anderen Tierarten infizieren können.)

Im Rahmen einer aktuellen Studie testete ein Diagnostiklabor im US-Bundesstaat Maine tausende Proben von Hunden und Katzen auf das neue Coronavirus. Kein einziger Test fiel positiv aus. Eine Vorabversion eines Berichts zu einem kleinen Experiment zeigte, dass sich das Virus unter Katzen verbreiten kann. Die Forschungen deuten jedoch nicht darauf hin, dass Katzen die Krankheit auf Menschen übertragen.

Weltweit gibt es bereits mehr als 2,6 Millionen COVID-19-Fälle. Wenn Haustiere ein signifikanter Übertragungsfaktor wären, sagen Experten, so würden wir das mittlerweile wissen.

Haustiere schützen

Viele Tierhalter sorgen sich eher darum, dass ihre Tiere krank werden könnten, als darum, sich bei ihnen anzustecken.

Um die Gesundheit von Hunden, Katzen und anderen Haustieren zu schützen, sollte man ähnliche Maßnahmen wie bei menschlichen Familienmitgliedern ergreifen: Wenn im Haushalt jemand krank ist, sollte er sich isolieren. Auch für Haustiere kann Social Distancing sinnvoll sein. Die CDC empfehlen, Haustiere nicht mit Menschen und Tieren außerhalb des eigenen Haushalts interagieren zu lassen. Beim Gassigehen sollte man anderthalb Meter Abstand zu anderen Menschen und Tieren halten und Hundewiesen meiden. Experten empfehlen, sich die Hände zu waschen, bevor und nachdem man mit seinem Haustier – oder einem anderen Menschen – interagiert.

Sorgen um Wildtiere

Am 5. April wurde bekannt, dass ein Malaysia-Tiger im Bronx Zoo positiv auf das Coronavirus SARS-CoV-2 getestet wurde. Seit dem 22. April wissen wir, dass sechs weitere Tiger und ein Löwe ebenfalls infiziert sind. Es sind die ersten bekannten Fälle von Großkatzen, die an COVID-19 erkrankt sind.

Sowohl wilde als auch Hauskatzen können sich mit einem verwandten Virenstamm infizieren, dem Felinen Coronavirus (FCoV). Bis zu der Entdeckung im Bronx Zoo war allerdings nicht bekannt, ob sie auch anfällig für das neue Coronavirus sind.

Man vermutet derzeit, dass es sich bei SARS-CoV-2 um einen Stamm handelt, der sich aus einem eng verwandten Coronavirus entwickelte, das in Fledermäusen vorkommt. Forscher mutmaßen, dass sich der Stamm weiterentwickelte und zunächst auf einen tierischen Zwischenwirt übersprang, bevor er erneut mutierte und Menschen infizierte.

Galerie: Unsere beeindruckendsten Bilder von Raubkatzen

Wissenschaftler arbeiten fieberhaft daran herauszufinden, welche anderen Arten anfällig für SARS-CoV-2 sind. Erste Studien befassen sich damit, jene Tierarten zu identifizieren, auf die das Coronavirus überspringen kann – unabhängig davon, ob sie Krankheitssymptome zeigen oder nicht. Zu den Arten, die in diesem Rahmen untersucht werden, zählen auch Katzen und Frettchen. Beide scheinen unter Laborbedingungen zumindest in einem gewissen Maße anfällig für eine Coronavirus-Infektion zu sein. (Ebenfalls getestet werden Hunde, Fledermäuse, Zibets, Schweine und andere). Schuppentiere können ein eng verwandtes Coronavirus in sich tragen, scheinen aber keine Wirte für SARS-CoV-2 zu sein. 

Obwohl das Pathogen bei Labortests in die Zellen einiger Tierarten eindringen konnte, betonen Virologen, dass solche Infektionen außerhalb von Laborumgebungen eventuell gar nicht auftreten. Außerdem haben sie festgestellt, dass Tiere, die in einem Labor infiziert wurden, nicht unbedingt krank werden. Weitere Tests werden nötig sein, um ein umfassenderes Verständnis dieser Zusammenhänge zu gewinnen. 

Zusammengefasst: Wir wissen, dass Menschen das neue Coronavirus auf einige Tierarten übertragen können. Bisher gibt es keine Belege dafür, dass diese Tiere es auch auf Menschen übertragen können. Weitere Forschung ist nötig. Derweil ist es das Beste, dieselben Vorsichtsmaßnahmen, die man bei anderen Menschen walten lässt, auch bei den eigenen Haustieren anzuwenden. 

Der Artikel wurde ursprünglich in englischer Sprache auf NationalGeographic.com veröffentlicht.

Tiere

Hunde – die vergessenen Opfer der Opioidkrise

Zum ersten Mal haben Forscher untersucht, welche Folgen der Opioidkonsum in den USA auf Hunde hat.
Wei­ter­le­sen