Umwelt

So können Städte ihre Klimaziele bis 2050 erfüllen

2050 werden die meisten Menschen in Städten leben. Ein Bericht zeigt, wie man die CO2-Emissionen auch im urbanen Raum in Grenzen halten kann.Mittwoch, 25. September 2019

Von Alejandra Borunda
München will bis 2025 vollständig auf erneuerbare Energien umsteigen. Die Stadt hat bereits einen Vertrag unterschrieben, um die Münchener S-Bahn mit Windkraft aus einem Offshore-Windpark in der Nordsee zu versorgen.

Bis zum Jahr 2050 werden etwa 70 Prozent aller Menschen ihrem täglichen Leben in Städten nachgehen. Sie werden dort essen, zur Schule oder auf die Arbeit gehen, sich in den heißen Sommern Abkühlung verschaffen und im Winter nach Wärme suchen.

All das wird eine Menge Energie kosten, und derzeit kostet diese Energie eine Menge CO2. Stadtbewohner sind weltweit für ganze drei Viertel der heutigen Treibhausgase verantwortlich. Das muss aber nicht so sein, wie ein neuer Bericht von der Coalition for Urban Transitions betont: Mit Technologien und Strategien, die schon heute zur Verfügung stehen, könnten Städte ihre CO2-Emissionen bis zum Jahr 2050 um 90 Prozent verringern.

Das würde für eine gewaltige Reduktion der weltweiten Treibhausgase sorgen und etwa 60 Prozent der Menge ausmachen, auf die verzichtet werden muss, um die Erderwärmung auf 2 °C zu begrenzen – jener Zielwert, auf den sich 197 Länder beim Pariser Klimaabkommen geeinigt haben.

„Die meisten Menschen leben in Städten, und die meisten Emissionen werden in Städten verursacht“, sagt Christiana Figueres, die Vizevorsitzende des Global Covenant of Mayors for Climate and Energy. „Wie sich das Klima entwickelt, hängt deshalb von den Städten ab.“

Schlüsselfaktor Gebäude

Die Technologien und Strategien für klimafreundlichere Städte existieren laut dem Bericht bereits.

Die sprichwörtlich größte Baustelle sind die Gebäude. Die Städte müssen bessere, moderne Gebäude bauen oder – besser noch – bestehende Gebäude sanieren, um sie deutlich energieeffizienter zu machen.

Der Offshore-Windpark DanTysk in der Nordsee beliefert München mit CO2-neutralem Strom.

Laut den Berechnungen im Bericht können 30 Prozent aller städtischen Emissionen bis 2050 eingespart werden, indem die Energieeffizienz der Gebäude verbessert wird. Weitere 30 Prozent können gekürzt werden, indem die Stromerzeugung, die noch immer zu großen Teilen von fossilen Brennstoffen abhängig ist, auf erneuerbare Energiequellen umgestellt wird.

Das bedeutet, dass sämtliche Schwachstellen in Gebäuden ausgebessert werden müssen, damit weder Hitze noch kühle Luft entweichen können. Noch besser wäre es, die Gebäude so umzugestalten, dass sie generell weniger auf energieintensive Technologien angewiesen sind, die in Nordamerika und Europa mittlerweile Standard geworden sind.

„Wir errichten diese Gebäude und statten sie mit teuren Heiz-, Lüftungs- und Klimaanlagen aus […]. Aber wenn wir die Lichtverhältnisse und Luftbewegungen von Anfang an beim Bau berücksichtigt hätten – was wir hierzulande getan haben, bevor es diese Technologien gab –, hätten wir wahrscheinlich auch ein weniger komplexes Gebäude bauen können“, sagt Maureen Guttman, eine Architektin und Expertin für umweltfreundliche Bauplanung.

Galerie: Die Top 10 der grünsten Gebäude

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Das Neudesign und die Nachrüstung von Bauwerken ist eine große Herausforderung – aber eine, von der wir wissen, wie wir sie bewältigen können, sagt Debbie Weyl. Die Bauexpertin des World Resources Institute hat gerade erst einen Bericht über die Zukunft von emissionsneutralen Gebäuden veröffentlicht.

Viele Städte suchen händeringend nach Hilfe, um sich dieser Aufgabe zu stellen. Mexiko-Stadt ist ein gutes Beispiel dafür, welche Dynamiken sich entwickeln können, wenn die ersten Schritte erst einmal getan sind: 2015 nahmen dort vier Gebäude an einem Programm zur Klimaneutralität teil, kurz darauf waren es schon 15. Dieses Jahr sind bereits 800 Gebäude in der ganzen Stadt in großen Projekten involviert, um ihre Emissionen zu reduzieren.

Allerdings muss damit jetzt begonnen werden – und dann muss es schnell gehen, betont Weyl. Frühere Studien deuteten darauf hin, dass die Gebäude weltweit jedes Jahr etwa 3 Prozent effizienter werden müssen, wenn das Ziel des Pariser Klimaabkommens eingehalten werden soll, sagt Weyl.

Verkehrssektor und Stromnetz

Durch die Nachrüstung von Gebäuden können die städtischen Emissionen also um 60 Prozent reduziert werden. Weitere 15 Prozent könnten durch bessere oder andere Baumaterialien im Bereich der Infrastruktur eingespart werden. Das bedeutet: weniger neuer Beton, Stahl und Glas.

Diese farbenprächtige Darstellung zeigt, wie das erderwärmende CO2 sich durch die Atmosphäre bewegt
Diese farbenprächtige Darstellung zeigt, wie das erderwärmende CO2 sich durch die Atmosphäre bewegt

„Das grünste Gebäude ist das, welches schon existiert“, sagt Guttman.

Noch mal 20 Prozent könnten durch Verbesserungen im Stadtverkehr eingespart werden. Um im städtischen Verkehrssektor weniger CO2 zu produzieren, müssten das öffentliche Nahverkehrssystem ausgebaut und private Fahrzeuge zunehmend durch Car-Sharing-Angebote ersetzt werden.

Inzwischen haben sich mehr als 10.000 Städte dazu verpflichtet, ihren CO2-Ausstoß bis 2050 drastisch zu reduzieren. Ein Drittel dieses Ziels können sie vermutlich aus eigener Kraft erreichen, wie es in dem Bericht heißt. Ihre Wunschziele – Netto-Emissionswerte von fast Null – sind ohne Kooperation und Kollaboration mit den jeweiligen Landesregierungen aber nicht zu schaffen.

Faktoren wie die Gebäudeisolierung liegen in der Hand der Städte. Aber für einen großflächigen Umstieg auf erneuerbare Energien muss das gesamte Stromnetz um- und ausgebaut werden, was je nach Nation den Regierungen der Bundesstaaten oder Länder obliegt.

Skifahren auf „Copenhill“. Das künstlich angelegte Naherholungsgebiet bietet Wanderwege und eine grüne Skipiste. Es wurde über einer Müllverbrennungsanlage errichtet, die Strom und Wärme generiert und eine wichtige Rolle im Plan der Stadt spielt, bis zum Jahr 2025 klimaneutral zu werden.

„Das ist tatsächlich etwas, das die Regierungen der Städte nicht allein leisten können“, sagt Sarah Colenbrander, die Hauptautorin des Berichts. „Wir können die Probleme nicht dauernd auf sie abwälzen und erwarten, dass sie sie im Alleingang lösen.“

Der Artikel wurde ursprünglich in englischer Sprache auf NationalGeographic.com veröffentlicht.

 

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