Tiere

Ohne diese Fliegen gäbe es keine Schokolade

In unserer Spezialausgabe zu Thanksgiving bedanken wir uns bei den Aasfressern und Bestäubern, die unseren Planeten gesund halten. Freitag, 24 November

Von Liz Langley

Das US-Amerikanische Erntedankfest, Thanksgiving, steht vor der Tür, und somit halten viele Menschen inne und überlegen, wofür sie alles dankbar sind.

Wir würden gerne den Mistkäfer nominieren.

Diese eifrigen Recycler sind nur eine von vielen Spezies, die meist unter dem Dankbarkeitsradar bleiben, obwohl sie dafür sorgen, dass unsere Welt sauber und köstlich bleibt. Außerdem einen Platz auf unserer Liste bekommen…

F L I E G E N

Bienen mögen die berühmtesten Bestäuber sein, aber wenn es um Mohrrüben geht, sind „Fliegen eigentlich der wichtigere Bestäuber“, sagt Ed Spevak, Pfleger für Wirbellose im Saint Louis Zoo in Missouri.

Die großen, flachen Blüten der Karottenpflanze ziehen Schmeiß- und Schwebfliegen an – also bedankt euch bei ihnen für euren Karottenkuchen, sagt er.

Für diejenigen unter euch, die nicht ohne Schokolade leben können, ist nun der Zeitpunkt gekommen, einer weiteren winzigen Fliege etwas Wertschätzung entgegen zu bringen, fügt Spevak hinzu.

Gallmücken bestäuben Kakaobäume in Mittel- und Südamerika, Afrika und Asien. Diese Insekten sind nur zwischen einem und drei Millimeter groß. Dadurch passen sie in die schmalen Blütenköpfe der Pflanze.

Sollten wir jemals einer solchen Mücke begegnen, werden wir uns bei ihr für all die Hausfliegen entschuldigen, die der Fliegenklatsche zum Opfer gefallen sind, und sie bitten, wieder an die Arbeit zu gehen.

K Ä F E R

Mistkäfer halten unsere Welt sauber und ordentlich, indem sie Fäkalien von anderen Tieren zersetzen, die sie sowohl als Nahrung, als auch als Unterkunft verwenden. 

Ein typisches Beispiel: Als die Siedler Schafe und Vieh nach Australien brachten, gab es dort keine einheimische Mistkäferart, die ihren Dung verarbeiten konnte, erklärt Max Barclay, Hauptkurator des Natural History Museum in London.

Der ganze vertrocknete Dung erschwerte den Anbau von Gras für die Kühe und Krankheiten verbreiteten sich. Die Einführung des Afrikanischen Mistkäfers, der auf Kuhdung spezialisiert ist, löste das Problem.

Der stark bedrohte Nicrophorus americanus begräbt tote Tiere „in einer unterirdischen Gruft“, damit ihr Nachwuchs sich von dem Kadaver ernähren kann, fügt Barclay hinzu.

„Dies kommt einer Brutpflege, wie wir sie von größeren Tieren kennen, bei Insekten am nächsten.“

A A S G E I E R

Aasgeiern kommt die Mammutaufgabe zu, Kadaver zu beseitigen und zu recyceln – eine entscheidende Rolle im Ökosystem, die durch ihre Abwesenheit umso deutlicher wird, erklärt Spevak.

Durch vergiftete Kadaver, Verlust von Lebensraum, Wilderei und so weiter werden Aasgeier weltweit immer seltener. 

Eine der elf Aasgeierarten – der Mönchsgeier – ist in Afrika bereits verschwunden, sieben andere gelten als stark bedroht oder bedroht.

Ein entzündungshemmendes Medikament in Viehkadavern hat in Asien zu Vergiftungen geführt, die den Bestand von Weißrückengeiern, Indiengeiern und Gyps tenuirostris um 96 Prozent verringert haben.

Verwilderte Straßenhunde haben Aasgeier als Aasfresser abgelöst. Man geht davon aus, dass dies in Asien unter anderem zu einem Ausbruch von Tollwut beim Menschen geführt hat. 

S A L A M A N D E R

Es besteht kein Zweifel daran, dass der Klimawandel Salamandern schadet. Doch einige Arten, die in den amerikanischen Wäldern beheimatet sind, schlagen zurück.

Eine Studie von 2014 fand heraus, dass einige Amphibienarten den Klimawandel bekämpfen könnten, indem sie Kohlenstoff aufnähmen.

Insekten setzen das Treibhausgas frei, wenn sie ausatmen und das Laub auf dem Waldboden fressen. Doch wenn Salamander diese Insekten fressen, bleibt mehr Kohlenstoff unterhalb der Laubschicht und somit außerhalb der Atmosphäre.

„Der Einfluss dieser kleinen Salamander auf Ökosysteme wie Mammutbaumwälder könnte ungemein bedeutend sein“, fügt David Blackburn, Kurator für Amphibien und Reptilien im Florida Museum of National History, hinzu.

E I C H H Ö R N C H E N

„Ohne Nagetiere wie Ratten und Eichhörnchen gäbe es gar keine Wälder, wie wir sie kennen“, erklärt Rebecca Bearman, kuratorische Assistentin für Vögel und Programmtiere im Zoo in Atlanta, via Email.

Der Grund dafür ist, dass Nagetiere Saatgut an Orten verstecken, an denen es nur wenige Raubtiere gibt – und zwar in Gegenden mit wenig Bäumen. Aus den vergessenen oder zurückgelassenen Samen wachsen Bäume, die gerade in solch einer Umgebung mit nur wenig Konkurrenz gedeihen.

Das nordamerikanische Grauhörnchen beispielsweise „pflanzt“ mit Vorliebe Roteichen.

Weiter so, ihr fleißigen Kerlchen!

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