High Five: Diese fünf Tiere besorgen sich ihren eigenen Drogenrausch

Wenn Rentiere so high sind, dass sie den Schlitten vom Weihnachtsmann ziehen könnten, sind sie im Tierreich in guter Gesellschaft.Dienstag, 3. März 2020

Im Februar 2016 ging etwas Merkwürdiges in einer Vorstadt nördlich von San Francisco vor sich. Bei Lisa Bloch, der Kommunikationsleiterin für die Marin County Humane Society, häuften sich Anrufe über Kojoten, die Autos angriffen.

Zunächst dachte Bloch, dass die Tiere vielleicht an Tollwut litten. Aber als die Anrufe auch nach Wochen nicht abrissen, wurde klar, dass es sich nicht um die gefährliche neurologische Krankheit handeln konnte: Wäre es wirklich Tollwut, wären die Tiere längst verstorben.

Dann kam jemand auf eine Idee: Was, wenn die Kojoten halluzinogene Pilze gefressen hatten? Da Marin County laut Bloch für seine „liberale Einstellung zu psychedelischen Substanzen“ bekannt ist, schien die Hypothese plausibel.

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Schnell wurde auch die Öffentlichkeit auf diese Erklärung aufmerksam – allerdings ist sie mit ziemlicher Sicherheit falsch.

„Wahrscheinlich hat irgendjemand die Tiere aus seinem Auto heraus gefüttert. Als andere Autofahrer das nicht taten, wurden die Kojoten wütend und griffen an“, sagte sie.

Kaliforniens Kojoten waren vielleicht nicht high – andere Tiere dafür aber schon.

Karibus auf Pilzen

Die Karibus in Sibirien snacken gern den halluzinogenen Fliegenpilz Amanita muscaria. Biologen haben die Auswirkungen dieses Pilzkonsums bei den Tieren dokumentiert: Sie verhalten sich fast so, als seien sie betrunken, rennen ziellos umher, geben merkwürdige Laute von sich und zucken mit den Köpfen.

Ein paar Forscher sind sogar der Ansicht, dass die Kombination von Karibus und halluzinogenen Pilzen der Ursprung der Geschichte vom Weihnachtsmann in seinem Rentierschlitten sein könnte.

Drogenkriminalität unter Wallabys

Mohnbauern auf der australischen Insel Tasmanien haben davon berichtet, dass Wallabys ihre Mohnfelder plündern und die Pflanzen fressen. Diese werden dort als Rohmaterial für die Herstellung von Schmerzmitteln angebaut. In den Berichten gibt es keine Aussagen darüber, welche Art von Wallaby sich an dieser Drogenkriminalität beteiligt.

Nachdem die kleinen Vertreter der Kängurus die Blumen gefressen hatten, liefen sie im Kreis, bis sie schließlich ohnmächtig wurden, wie es in einem Bericht der BBC heißt. 

Von Wissenschaftlern konnte das Verhalten noch nicht bestätigt werden.

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Rauzahndelfine mit Kugelfischen

1995 beobachtete die Meeresbiologin Lisa Steiner eine Schule von Rauzahndelfinen vor den Azoren. Dabei fiel ihr auf, dass ein paar der Tiere einen aufgeblasenen Kugelfisch vor sich herschoben.

Ein seltsames Verhalten, bedenkt man, dass Kugelfische Tetrodotoxin produzieren – eines der potentesten und tödlichsten Nervengifte der Welt.

In einer 1995 veröffentlichten Forschungsarbeit stellte Steiner die Hypothese auf, dass die Delfine winzige Menge Tetrodotoxin konsumierten, um high zu werden. 

Wenn ein Oktopus einen Kugelfisch fressen will
Vor der Seychellen-Insel Frégate bot sich Tauchern ein ungewöhnlicher Anblick. Ein Oktopus schien einen Kugelfisch verspeisen zu wollen. Aber ist das überhaupt möglich?

Hauskatzen im Minzfieber

Garfield hat seine Lasagne, aber die meisten Katzen ziehen Echte Katzenminze (Nepeta cataria) vor.

Der Vertreter der Katzenminzen produziert einen betörenden Geruchsstoff namens Nepetalacton. Gelangt dann ein bestimmtes Enzym in den Katzenkörper – durch Einnahme oder intensives Schnüffeln –, kann das zu Angstzuständen, Hyperaktivität, Schläfrigkeit oder Speichelfluss führen.

Den Effekt der Katzenminze spüren aber nicht nur Stubentiger: Auch echte Tiger, Löwen, Leoparden, Pumas und Luchse reagieren auf Katzenminze. Die Auswirkungen sind aber harmlos und verfliegen für gewöhnlich nach etwa 15 Minuten.

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Hunde: „Spuck das sofort wieder aus!“

Der Veterinärmediziner Tim Hackett von der Colorado State University sieht viele Hunde, die versehentlich illegal oder legale Drogen konsumiert haben.

Meist legen es die Hunde gar nicht darauf an, high zu werden, wie er sagt. Sie fressen einfach Dinge, die ihre Menschen nicht außer Hundereichweite aufbewahrt haben.

„Wenn ein Hund einen Teller mit Brownies sieht, hört er nicht einfach nach einem auf. Der frisst weiter, bis sie alle sind“, sagt Hackett.

Die Schokolade und Butter sowie das Öl in Haschbrownies würden in großer Menge zum Erbrechen führen und sind für Hunde an sich ohnehin schädlicher als die Droge. Aber das beigefügte Marihuana kann die Kopf- und Nackenmuskulatur des Hundes schwächen, sodass er an seinem eigenen Erbrochenen ersticken könnte.

Hackett interessiert sich zwar für den potenziellen therapeutischen Nutzen von Marihuana bei Hunden, aber da die Tiere den Wirkstoff nur sehr langsam verstoffwechseln, ist absolut davon abzuraten, Hunden auf eigene Faust Drogen zu verfüttern.  

Der Artikel wurde ursprünglich in englischer Sprache auf NationalGeographic.com veröffentlicht.

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