Können Tiere lachen? Kitzelexperimente geben Aufschluss.

Forscher benutzten ausgeklügelte wissenschaftliche Methoden, um zu prüfen, ob auch Tiere lachen: Sie kitzelten sie.

Veröffentlicht am 12. Feb. 2021, 16:30 MEZ
Schimpanse spielt

Ein Junge spielt in einem kenianischen Schutzzentrum mit einem Schimpansen.

Wie nennt man einen Hund, der sehr tief bellt? Einen Subwuffer.

Den Witz hab ich mal einer Grille erzählt, aber da gab‘s nur Zirpen.

Durch solche tierischen Wortwitze kam die National Geographic-Autorin Liz Langley die Frage: Lachen Tiere eigentlich?

Affen mit Humor

Bisher konnte Gelächter bei Menschenaffen und Ratten nachgewiesen werden – obwohl auch Delfine und Hunde Laute von sich geben, die eine Art spielerische Absicht zu vermitteln scheinen.

Der Westliche Flachlandgorilla Koko war für seine geschickte Nutzung der Zeichensprache bekannt. Das Weibchen fand es „witzig, wenn ich tollpatschig war“, und gab dann lachende Geräusche von sich, erzählte Penny Patterson, die Präsidentin der Gorilla Foundation.

(„Koko konnte uns zeigen, zu was alle Menschenaffen fähig sind.“)

Die Gorilladame hatte auch ein spezielles „Ho ho“-Lachen für Besucher, die sie besonders mochte, so Patterson.

Galerie: Die witzigsten Tierfotos 2020

2009 führte die Psychologin Marina Davila Ross von der britischen Universität Portsmouth Experimente durch, bei denen sie sehr junge und jugendliche Primaten – wie Orang-Utans, Gorillas und Schimpansen – kitzelte. Die Affen reagierten mit einem Lachen, technisch gesehen eine „kitzelinduzierte Vokalisation“.

Ross, die die Evolution des Lachens erforscht, vermutet, dass wir unsere Fähigkeit zu lachen vom letzten gemeinsamen Vorfahren der Menschen und Menschenaffen geerbt haben, der vor 10 bis 16 Millionen Jahren lebte.

In einer Studie, die in „PLOS ONE“ veröffentlicht wurde, zeigte sie außerdem, dass Schimpansen „Lachgesichter“ zeigen: Sie lächeln mit gebleckten Zähnen, mit oder ohne tatsächliche Lachäußerungen.

Das deutet darauf hin, „dass Schimpansen auf explizitere und damit vielseitigere Weise kommunizieren können“, als wir dachten, sagt sie. Das ist vergleichbar mit dem stillen Lächeln, das Menschen beim Sprechen oder Lachen zeigen, wobei es in jeder Kombination eine eigene Emotion vermittelt.

Lachende Ratten & Antidepressiva

Auch Ratten wurden im Namen der Wissenschaft gekitzelt.

Jaak Panskepp, ein Psychologe und Neurowissenschaftler an der Washington State University in Pullman, hat herausgefunden, dass gekitzelte Ratten glückliche Geräusche machen.

Als die Wissenschaftler die Nagetiere kitzelten, gaben die Tiere laut einer im Jahr 2000 veröffentlichten Studie dieselben Zirpgeräusche von sich, die sie auch beim Spielen äußern. (Die Geräusche liegen oberhalb des menschlichen Hörbereichs.)

Einige der Laborratten mochten das Kitzeln so sehr, dass sie der Hand folgten, die sie kitzelte.

Eine in Gefangenschaft lebende Wanderratte richtet sich wütend auf. Laufende Forschungen zeigen, dass Ratten eine Vielzahl von Emotionen kommunizieren, darunter auch ein Geräusch, das dem Lachen ähnlich sein könnte.

Bild VINCENT J. MUSI, NAT GEO IMAGE COLLECTION

Seitdem haben Panskepp und seine Kollegen gezeigt, dass die Erforschung des Spiels eine ernsthafte Angelegenheit ist. Er hat zum Beispiel herausgefunden, dass die Verschaltungen im Gehirn, die bei Ratten für das Lachen verantwortlich sind, zur Untersuchung menschlicher Emotionen herangezogen werden können. Er hat außerdem sieben grundlegende emotionale Systeme identifiziert, die in denselben Bereichen von Säugetiergehirnen untergebracht sind.

Seine Forschung hat sogar geholfen, Depressionen bei Menschen zu bekämpfen. Ein in der klinischen Erprobung befindliches Antidepressivum namens GLYX-13 hat seine Wurzeln in der Erforschung des Rattenlachens.

Es ist ein Beispiel dafür, „was erreicht werden kann, wenn man die Emotionen von Tieren für die Entwicklung von Psychopharmaka ernst nimmt“, sagt er.

Wie Spiel, Lachen und Intelligenz zusammenhängen

Wir halten Ratten und Affen für intelligent, aber Intelligenz ist keine Voraussetzung für Lachen, fügt Panksepp hinzu.

„Vielleicht sollte man es andersherum betrachten“, sagt er, da es möglich ist, „dass Spielverhalten bei jeder Spezies die soziale Intelligenz steigern kann.“

Um also andere Tiere zu identifizieren, die lachen, müsste man ihm zufolge womöglich nur auf die Geräusche hören, die sie machen, wenn sie sich amüsieren.

Der Artikel wurde ursprünglich in englischer Sprache auf NationalGeographic.com veröffentlicht.

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