Wie erkennt man Wolf-Hund-Mischlinge?

Immer mehr Wölfe leben in Deutschland. Handelt sich hierbei tatsächlich um reinrassige Tiere? Oder streifen auch Mischlinge aus Wölfen und Haushunden durch unsere Wälder? Eine neue Methode soll Klarheit bringen.
Veröffentlicht am 28. Sept. 2021, 12:05 MESZ, Aktualisiert am 28. Sept. 2021, 14:08 MESZ

Rund 150 Jahre lang war der Wolf in Deutschland ausgestorben – bis im Frühjahr 2000 im Nordosten von Sachsen erstmals wieder wildlebende Wolfswelpen das Licht der Welt erblickten. Nach Angaben der Wolfsdokumentationsstelle DBBW nimmt die Zahl an nachgewiesenen Wolfsterritorien jährlich um 32 Prozent zu. Inzwischen sind 128 Rudel, 35 Paare und 10 Einzeltiere in Deutschland bekannt.

Wächst damit auch die Zahl der Mischlinge aus Wölfen und Haushunden? Das Dilemma: Auf den ersten Blick lassen sich solche Wolfshybride kaum eindeutig identifizieren – zu sehr können sie in ihren äußerlichen und molekulargenetischen Merkmalen den reinen Wölfen ähneln. Ein neue Erkennungsmethode soll Abhilfe schaffen.

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Verräterisches Erbgut

Ein internationales Forschungsteam hat ein Verfahren entwickelt, das eine sichere Identifizierung von Wolf-Hund-Hybriden mit Hilfe von Umweltproben erlaubt. „Wir können solche Mischlinge anhand der DNA aus Kotproben, Haaren oder aus Speichelresten von gerissenen Beutetieren identifizieren“, erklärt Wildtiergenetiker Dr. Carsten Nowak vom Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseum Frankfurt.

Möglich werde das durch die gezielte Auswahl von Stellen im Erbgut, an denen sich Haushunde und Wölfe unabhängig von Rasse und Herkunft voneinander unterscheiden. Die Methode sei deutlich präziser als herkömmliche Verfahren und soll künftig als Standard dienen, um Hybridisierungsraten in ganz Europa zu erfassen. Zugleich will man Gegenden ermitteln, in denen verwilderte Hunde stärker kontrolliert werden müssen, um eine ökologische Trennung zu den Wölfen zu gewährleisten.

Wildlebende Wolfsmischlinge zu erkennen, ist für das Wolfsmanagement wichtig: Hybride sind weiter zeugungsfähig. Und so streuen sie das Ergbut von Hunden in die Wolfspopulation, wenn sie sich wieder mit ihren wilden Verwandten paaren. Im Laufe der Zeit können sich immer mehr Hundegene im Genpool des Wolfs ansammeln.

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Nur drei Fälle von Wolfsmischlingen

Damit sich Hybride nicht weiter mit Wölfen paaren können, werden sie „in der Regel aus der freien Wildbahn entnommen“, sagt Nowak. Die so genannte Entnahme schließt den Fang, aber auch das Töten einzelner Tiere ein. Bislang sind in Deutschland nur drei Fälle von Mischlingen belegt: 2003 in Sachsen sowie 2017 und 2019 in Thüringen.

Nach Nowaks Worten geht die Hybridisierungsrate somit hierzulande gegen Null: „Wir haben in unserer Studie bei den aus Deutschland stammenden Wolfsproben keine erhöhten Anteile von Hundegenen gefunden.“ Auch in Zukunft sei kaum mit mehr Hybriden zu rechnen.

Bislang sind in Deutschland nur drei Fälle von Mischlingen zwischen Wölfen (Foto) und Haushunden belegt.

Bild Jan Noack/Senckenberg:

„Wo es keine großen Vorkommen an streunenden Hunden gibt, was in West- und Nordeuropa allgemein der Fall ist, ist Hybridisierung die Ausnahme, wie zahlreiche genetische Studien zweifelsfrei belegen“, erläutert der Wolfsexperte. Männliche Wölfe würden sich fast nie mit Hunden paaren. „Erst wenn eine Fähe keinen männlichen Wolf findet, schaut sie sich möglicherweise nach Ersatz um.“ Und dann fällt die Wahl notgedrungen auf einen Hund. „Man könnte auch sagen, dass Wölfe bei der Partnerwahl sehr konservativ sind.“

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