Pro und kontra: Wie sinnvoll ist der Import von Straßenhunden?

Straßenhunde fristen meist ein leidvolles Dasein. Kein Wunder, dass viele Menschen in Deutschland helfen wollen. Was spricht dafür, einen streunenden Hund aus dem Ausland aufzunehmen – und was dagegen?

Von Jens Voss
Veröffentlicht am 15. Dez. 2022, 09:37 MEZ
Ein verwahrloster Hund ruht auf staubigem Boden.

Verwahrloste Hunde sind ein alltäglicher Anblick in vielen Urlaubsländern.

Foto von Adobe Stock

Sie winseln und betteln, sind abgemagert und schwach. Viele werden gequält, getötet oder in überfüllte Tierheime gesteckt. Und oft vermehren sie sich rasant. Streunende Hunde sind ein großes Problem in vielen Ländern des südlichen und östlichen Europas.

„Die örtlichen Behörden reagieren darauf, indem sie tausende gesunde Tiere töten“, erklärt der Deutsche Tierschutzbund. Doch diese Maßnahme sei nicht nur grausam, sondern auch sinnlos. Weil immer wieder neue Welpen zur Welt kämen, verringere sich die Zahl der Straßenhunde nicht.

„Tiergerechte Lösungen“ seien notwendig, um die Überpopulation von Straßenhunden in den Griff zu bekommen. Der Tierschutzbund empfiehlt, Tötungsstationen in Kastrationszentren umzuwandeln. Dort sollen die eingefangenen Straßenhunde geimpft und katastriert werden und anschließend wieder an ihrem angestammten Platz freigelassen werden.

Galerie: Indiens Straßenhunde

Straßenhunde: Kastrieren statt importieren?

Auf lange Sicht soll die Zahl der Tiere so sinken. Fangen, kastrieren, freilassen: Tierschützer sprechen hierbei von „Trap-Neuter-Return“. Der Tierschutzbund plädiert also dafür, die Wurzel des Problems vor Ort zu bekämpfen.

Er rät dazu, Straßenhunde nur im Einzelfall nach Deutschland zu importieren. Und auch nur aus Ländern wie Rumänien, Slowenien und Ungarn, in denen sich das Prinzip „Fangen, kastrieren, freilassen“ rechtlich nicht umsetzen lasse. Das könne helfen, die Situation dort wenigstens zeitweise zu entspannen.

Die Diskussion um den Import von Straßenhunden erhitzt die Gemüter. Befürworter und Gegner liefern sich schlagkräftige Argumente.

19 Gesten, über die Hunde mit uns sprechen
Genau wie menschliche Babys nutzen auch Hunde nonverbale Kommunikation, um zu bekommen, was sie wollen.

Pro: Deshalb sollte man einen Straßenhund aufnehmen

  • Jedes Leben zählt. Wer einen Straßenhund aufnimmt, befreit ein Tier aus Elend und Qual. Für viele solcher Hunde ist das die einzige Chance auf ein artgerechtes Leben.
  • Die Aufnahme eines Straßenhundes schafft Aufmerksamkeit für millionenfaches Tierleid.
  • Viele Hunden in deutschen Tierheimen sind ohnehin schlecht zu vermitteln. Straßenhunde aus dem Ausland sind deshalb keine Konkurrenz.
  • Die Eingewöhnung klappt oft gut und die Tiere leben sich meist schon nach kurzer Zeit bei ihren neuen Besitzern ein.
  • Wer anerkannte Tierschutzvereine unterstützt, die Hunde nach Deutschland vermitteln, hilft indirekt auch den verbliebenen Tieren vor Ort. Denn seriöse Organisationen fördern den Tierschutz im eigenen Land: Sie betreiben Aufklärungsarbeit, kastrieren Straßenhunde, versorgen verletzte Tiere und greifen lokalen Tierheimen unter die Arme.

Kontra: Warum man einen Streuner besser nicht adoptieren sollte

  • Durch den Import von Straßenhunden wird das Problem mit Streunern nicht gelöst. Seriöser Tierschutz sollte die Zustände im Ursprungsland ändern.
  • Das Straßenhund-Dilemma lässt sich nur durch das Prinzip „Fangen, kastrieren, freilassen“ lösen.
  • In deutschen Tierheimen gibt es schon genug notleidende Tiere, derer man sich stattdessen annehmen sollte.
  • Nicht selten geht die Eingewöhnung von Straßenhunden schief. Tiere, die beispielsweise fernab von Menschen im Rudel gelebt haben, werden sich unter Umständen in einer turbulenten Stadtwohnung nicht wohlfühlen. Sie landen dann unter Umständen in deutschen Tierheimen – wo es bereits genug Tierleid gibt.
  • Unseriöse Tiervermittler schlagen Kapital aus dem Mitleid von Tierfreunden und machen bewusst Geld mit gequälten Vierbeinern.

Galerie: Animal Hoarding – wenn Tierliebe zur Sucht wird 

Unseriöse Tiervermittler? Darauf sollten Hundehalter achten

Gerade im Internet gibt es unter Tiervermittlern schwarze Schafe, die unter dem Deckmantel des Tierschutzes ein zweifelhaftes Geschäftsmodell entwickelt haben. Der Deutsche Tierschutzbund hat deshalb eine Checkliste entwickelt. Wurden mehrere Fragen mit Nein beantwortet, sollte man die Entscheidung überdenken.

  • Ist der Verein gemeinnützig?
  • Hat er eine Genehmigung nach § 11 Abs. 1 Nr. 5 Tierschutzgesetz?
  • Gibt es eine informative und transparente Website mit Impressum?
  • Legt der Verein den Schwerpunkt auf Hilfe vor Ort durch Kastration und Aufklärung?
  • Pflegt er den Kontakt mit Behörden, Tierärzten und anderen Organisationen?
  • Verzichtet er auf Flugpatenschaften? Manche Vereine bitten Urlauber, auf ihrem Heimflug ein Tier mitzunehmen, das nach Deutschland importiert werden soll.
  • Hält die Organisation alle Transport- und Importvorschriften ein?
  • Bestätigt der Verein, dass die Transporte über Traces (tierärztliches Informationssystem für den internationalen Handel) abgewickelt werden?
  • Vermittelt der Verein die Tiere indirekt, etwa über deutsche Tierheime?
  • Klärt er über Reisekrankheiten auf und lässt er die Tiere auf Wunsch vor dem Transport durch ein Fremdlabor testen?
  • Nimmt sich der Verein Zeit für Beratung?
  • Ist es möglich, den Hund vorher persönlich kennenzulernen?
  • Steht die Organisation auch nach der Vermittlung für Fragen zur Verfügung?
  • Wird ein Vermittlungsvertrag geschlossen?
  • Übernimmt der Verein den Hund wieder, falls Probleme auftreten?

 

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