Fischmafia und Polizeischutz: Der teuerste Zierfisch der Welt

Besessen vom Phänomen des Arowana trotzte eine Frau Terroristen, Kopfgeldjägern und der Fischmafia, um den asiatischen Zierfisch in der Wildnis zu finden.

Veröffentlicht am 24. Nov. 2020, 15:23 MEZ
Der Asiatische Arowana, auch Drachenfisch genannt, wird von den Chinesen aufgrund seiner roten Farbe und münzähnlichen ...

Der Asiatische Arowana, auch Drachenfisch genannt, wird von den Chinesen aufgrund seiner roten Farbe und münzähnlichen Schuppen als Glücks- und Wohlstandsbringer angesehen.

Bild Courtesy of Emily Voigt, via Qian Hu Corporation

Emily Voigt ahnte nicht, dass sie in eine Welt dubioser Geschäfte und Schmuggelmachenschaften hineingezogen werden würde. Eigentlich wollte sie nur mehr über den teuersten Aquarienfisch der Welt herausfinden: den Asiatischen Gabelbart, auch Asiatischer Arowana genannt. Auf ihren Reisen in 15 Länder trotzte sie Kopfjägern und Bürgerkrieg, um den Spuren eines Fisches zu folgen, der oft nur mit bewaffnetem Geleit transportiert wird. Unterwegs entdeckte sie die Magie der Wildnis – und die Gefahren der Obsession. All das beschreibt sie in ihrem Buch „The Dragon Behind the Glass: A True Story of Power, Obsession, and the World’s Most Coveted Fish.“

Als National Geographic sie zu Hause in New York telefonisch erreichte, erklärte sie, wie eine gut gemeinte Artenschutzmaßnahme die Attraktivität der Arowanas für Sammler erhöhte; wie ihre Suche nach dem Fisch ihr ganzes Leben vereinnahmte; und warum die Haltung von Fischen in einem Becken Teil unseres angeborenen Wunsches ist, eine Verbindung zu anderen Arten aufzubauen.

Bild Courtesy of Simon & Schuster

Im Mittelpunkt Ihrer Geschichte steht ein Fisch, den die meisten von uns nicht kennen. Erzählen Sie uns etwas über den Arowana, auch bekannt als Drachenfisch, und warum er so wertvoll ist.

Der Asiatische Arowana ist der teuerste Aquarienfisch der Welt. Er ist ein tropischer Süßwasserfisch aus Südostasien, der in freier Wildbahn etwa einen Meter lang wird. Er ist ein wilder Raubfisch, dessen Geschichte bis in die Zeit der Dinosaurier zurückreicht. Er hat große, metallische Schuppen, die Münzen ähneln, Barteln, die aus seinem Kinn herausragen, und er schlängelt sich beim Schwimmen wie die Papierdrachen, die man in einem chinesischen Neujahrsumzug sieht. Diese Ähnlichkeiten sind der Ursprung des Aberglaubens, dass der Fisch Glück und Wohlstand bringt, weshalb er zu einem sehr gefragten Aquarienfisch geworden ist.

Als ich den Internationalen Aquarama-Fischwettbewerb besuchte, der quasi wie eine Hundeausstellung für Fische ist, wurden zehn seltene Albino-Arowanas mit einer Polizeikolonne auf die Messe gebracht. Bewaffnete Wachen sollten sicherstellen, dass niemand Gift in die Becken goss. Der höchste Preis für einen einzigen Fisch, den ich gesehen habe, liegt bei 300.000 Dollar. Angeblich wurde das Tier an ein hochrangiges Mitglied der Kommunistischen Partei Chinas verkauft.

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Das Gift in den Stacheln dieses Steinfischs könnte sogar einen Menschen töten – doch davon lässt sich die Muräne nicht abschrecken.

Sie sagen: „Der Drachenfisch ist das dramatischste Beispiel für ein einzigartiges modernes Paradoxon: die massenproduzierte gefährdete Art.“

Es hat eine Weile gedauert, bis ich das verstanden habe. Es ist illegal, Arowanas in die USA einzuführen, aber in den letzten Jahren wurden fast zwei Millionen davon über internationale Grenzen verbracht. Die Farmen in Südostasien, auf denen sie gezüchtet werden, sind wie Hochsicherheitsgefängnisse mit Betonmauern, die durch Wachhunde, Wachtürme und Stacheldraht geschützt sind. Alles für einen Fisch!

Es gibt nur noch wenige Asiatische Arowanas in der Wildnis, tief im Dschungel von Borneo. Die meisten werden auf Fischfarmen gezüchtet, wie hier in der Qian Hu Corporation von Kenny Yap in Singapur.

Bild Courtesy of Qian Hu Corporation

Es ist ein dramatisches Beispiel für ein Paradoxon. Der Fisch ist in der Wildnis weitgehend dezimiert, aber jedes Jahr werden Hunderttausende auf Farmen gezüchtet. Die Geschichte dieses einen Fisches fasst im Grunde die Geschichte des modernen Naturschutzes zusammen. In den 1970er Jahren, als die internationale Gemeinschaft begann, sich um die Idee des Artenschutzes zu organisieren, war der Impuls, [den Handel mit] allem zu verbieten.

So geschah es auch mit dem Asiatischen Arowana. Damals war er ein ganz normaler Speisefisch, den die Menschen in Sumpfregionen zum Abendessen aßen. Er galt nicht einmal als besonders leckerer Speisefisch. Er ist knochig und fade. Aber er ist ein Spitzenräuber und vermehrt sich nur langsam, sodass er auf der Liste der geschützten Arten landete. Internationaler Handel mit ihm wurde verboten. Das ging aber nach hinten los, weil das den Anschein von Seltenheit erweckte. So entstand ein Markt für diesen Fisch im Aquarienhandel. Er wurde zu einer heißen Ware.

Ihre Reise beginnt an einem unwahrscheinlichen Ort: in der Bronx. Erzählen Sie uns von John Fitzpatrick und dem illegalen Handel mit Wildtieren in New York.

Lt. John Fitzpatrick, der Haustier-Detektiv! Ich schrieb gerade einen Artikel über den Handel mit exotischen Haustieren in New York City und rief ihn an einem Sommernachmittag an. Er fing an, mich mit Geschichten zu überschütten, die ich nicht glauben konnte: 1.300 Schildkröten lebten in einem protzigen Tribeca-Loft, wo der Typ keinen Platz für ein Bett hatte. Ein Mann aus Harlem lebt mit einem Tiger und einem Alligator in derselben kleinen Wohnung!

Ich begleitete Fitzpatrick in die South Bronx, weil ein Mann versucht hatte, seinen Alligator auf Craigslist zu verkaufen. Wir haben den Alligator nicht gefunden, aber Lieutenant Fitzpatrick sprach immer wieder von diesen illegalen, super teuren Aquarienfischen, die in die Stadt kamen und ihm das Leben schwermachten. Zuerst war ich nicht interessiert. Ich bin kein Fischfreund. Für mich waren Aquarienfische ein langweiliges Thema. Dann fing ich an, mich eingehender damit zu beschäftigen.

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Sie schreiben: „Die menschliche Spezies ist einzigartig in ihrem Drang, fast alle anderen Wirbeltierarten zu zähmen.“ Warum halten sich Menschen Fische?

Das war für mich ein zentrales Rätsel. Nicht nur die Frage, warum der Asiatische Arowana so unglaublich wertvoll war, sondern auch, was uns überhaupt dazu treibt, einen Fisch in ein Glas zu setzen. Das erinnert an das, was E.O. Wilson über Biophilie schrieb, unseren angeborenen Wunsch, uns mit anderen Tieren zu verbinden. Ich fühlte mich nie gezwungen, selbst einen Arowana zu halten, aber ich war besessen davon, den Fisch in der Wildnis zu finden. Das hat mein Leben für einige Jahre auf den Kopf gestellt. Auf der Suche nach diesem Fisch reiste ich durch 15 Länder. Diese Besessenheit hatte den gleichen Ursprung wie der Drang, Aquarienfische zu halten. Es war der Wunsch, eine Verbindung zur Wildnis zu haben.

Das ist ein perfektes Stichwort für einen der buntesten Charaktere des Buches. Stellen Sie uns Kenny den Fisch vor.

Als ich anfing, mehr über Asiatische Arowanas zu recherchieren, tauchte immer wieder ein Name auf: Kenny der Fisch, alias Kenny Yap. Er ist der Dreh- und Angelpunkt im Zentrum der glamourösen Welt der asiatischen Aquakultur. Er ist der Besitzer einer der größten Zierfischfarmen Asiens und in Singapur dafür berüchtigt, nackt hinter delikat platzierten Tieren zu posieren. Als ich auf seiner Farm auftauchte, saß er hinter einem rosa und türkisfarbenen Schreibtisch. Über ihm hingen die unausweichlichen Fotos, auf denen er nackt hinter strategisch platzierten Fischen posierte. [Lacht].

Kenny „the Fish“ Yap schwimmt in einem seiner Zuchtteiche. Er ist „der Dreh- und Angelpunkt im Zentrum der glamourösen Welt der asiatischen Aquakultur“, sagt die Autorin Emily Voigt.

Bild Courtesy of Qian Hu Corporation

Kenny ist für das sexy Makeover dieser Branche verantwortlich und wird deshalb sehr geliebt. Ich hatte viel über die dunkle Schattenseite dieser Branche gehört. Als ich Kenny zu der Welle von Raubüberfällen auf Aquarienfische befragte, die über die Region hereingebrochen war, sagte er: „Ich weiß nicht, wovon Sie reden. Einen Fisch stiehlt man nicht so leicht wie ein Schmuckstück.“

Eine weitere Schlüsselfigur in der Geschichte ist ein amerikanischer Ichthyologe namens Tyson Roberts. Erzählen Sie uns ein wenig von seiner Lebensgeschichte.

Er ist ein ganz besonderer Mensch. Ich nenne ihn den großen Alten der Ichthyologie, weil er wahrscheinlich mehr Fischarten getötet und konserviert hat als jeder andere lebende Mensch. Sein Verstand ist außergewöhnlich. Wenn man mit Tyson ins Gespräch kommt, wird man in diese seltsamen mentalen Haarnadelkurven hineingezogen. Er ist jetzt Mitte 70, reist aber immer noch rund um den Globus. Manchmal verschwindet er für viele Monate am Stück von der Bildfläche. An einem Punkt im Buch war ich nicht einmal sicher, dass er noch am Leben ist.

Ein Fisch mit Vampirzähnen
Am abgelegenen Rewa-Fluss in Guyana fängt Zeb seinen ersten Payara (Hydrolycus scomberoides), einen Fisch mit geradezu bizarren Zähnen. Szenen aus „Auf der Suche nach dem Monsterfisch“.

In gewisser Weise ist er selbst eine vom Aussterben bedrohte Art. Bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts spezialisierten sich Biologen auf eine Tiergruppe. Es gab also Leute, die Fische oder Vögel oder Regenwürmer studiert haben. Aber nach der molekularen Revolution und der Entdeckung der Struktur der DNA begann man, die Biologie auf eine andere Art und Weise einzuteilen. Die Molekularbiologie monopolisierte die Finanzierung, während Experten für ganze Organismengruppen nach und nach verdrängt wurden. Infolgedessen verlieren wir eine ungeheure Menge an Wissen. Wenn die heutige Generation stirbt, wird es für viele Gruppen von Organismen keine Experten mehr geben.

Ihre Suche konzentriert sich schließlich auf den legendären „Super Red“-Arowana in Borneo. Wie lief Ihr Versuch, den abgelegenen See von Sentarum zu erreichen?

Es begann mit einem sechswöchigen Tauchgang in die Welt der Fische. Am Ende davon sagte ich meinen Heimflug aus Asien ab und riskierte, meine eigene Hochzeit zu verpassen, weil ich so entschlossen war, zu diesem Fisch im Herzen Borneos zu gelangen. Ich wurde dabei vor drei Gefahren gewarnt: einer angeblichen Fischmafia, islamischen Terroristen und den Iban, die in der Seenregion leben und traditionell Kopfjäger sind.

Heiko Bleher, bekannt als „der Indiana Jones der tropischen Fischwelt“, reist auf der Suche nach neuen Fischarten um die Welt.

Bild Emily Voigt

Ich war vermutlich einer der am schlechtesten ausgestatteten Menschen, die je versucht haben, allein auf Fischfang zu gehen – ganz zu schweigen von einer Suche nach dem geheimnisvollen Arowana. Ich war in meinem Leben noch nie angeln gewesen. Ich sprach weder die Sprache noch hatte ich irgendwelche Erfahrungen in der Wildnis. Zum Glück bekam ich Hilfe von Heiko Bleher, der als der Indiana Jones der tropischen Fischwelt bekannt ist. Er ist ein Ichthyologe und Entdecker in der dritten Generation. Sein Großvater gründete um die Jahrhundertwende eine der ersten Zierfischfarmen außerhalb Frankfurts. Seine Mutter nahm Heiko und ihre drei anderen Kinder in den 1950ern mit in ein unbekanntes Gebiet des Amazonas-Regenwaldes auf der Suche nach dem damals teuersten Aquarienfisch der Welt: dem Diskusfisch. Er hat eine runde Form, weshalb er einem altgriechischen Diskus sehr ähnlich sieht. Seitdem hat Heiko sein Leben mit der manischen Suche nach neuen Arten auf der ganzen Welt verbracht.

Es ist mir schließlich gelungen, nach Sentarum zu gelangen. Leider war es dafür die schlechteste Zeit des Jahres. Das Seensystem trocknet saisonal aus. Ich kam genau an dem Punkt an, an dem das Wasser zu niedrig war, um mit dem Boot in den Sumpf zu fahren, und zu hoch, um zu Fuß hineinzugehen.

Der ehemalige indonesische Präsident Susilo Bambang Yudhono zahlte 200 Millionen Rupiah (20.000 Dollar) für diesen Arowana, der hier während einer Ausstellung in Jakarta zu sehen ist.

Bild Adek Berry, AFP/Getty Images

Der britische Kinderbuchautor Charles Kingsley schrieb: „Die Freude am Entdecken neuer Arten ist zu groß; sie ist moralisch gefährlich.“ Wurden Sie durch Ihre obsessive Suche nach dem Arowana „korrumpiert“?

Ja, ich denke schon. Es hat etwas Gefährliches, einen Fisch zu fetischisieren – eine Spezies zu überhöhen, zu versuchen, sie zu besitzen, und sie als ikonische Art zu feiern. Mein eigenes Streben, so gut gemeint es auch war, hat mein Leben völlig vereinnahmt. Das erste Anzeichen dafür war, dass ich meinen Namen änderte, um nach Myanmar zu gelangen. Ich war besorgt, dass ich als Journalistin kein Visum bekommen würde. Also nahm ich den Nachnamen meines Mannes an, nachdem ich geheiratet hatte. An diesem Punkt hätte ich erkennen müssen, dass ich vielleicht zu tief in die Sache hineingeraten war. [Lacht]

Mein Leben ist nicht das einzige, das durch diesen Fisch geschädigt wurde. Während meiner Recherchen landete jemand in New York in einem Hochsicherheitsgefängnis, weil er in dem Arowana-Chaos mitgemischt hatte. Viele Leute betrachten Aquarienfische als harmlose Erinnerungen an ihre Kindheit. Aber der Asiatische Arowana sorgt auf der ganzen Welt für Chaos.

Auf der Suche nach dem Arowana bereisten Sie 15 Länder, per Flugzeug, Jeep und Kanu. Was waren die besten – und schlimmsten – Momente auf dieser Suche?

Während dieser ganzen Suche gab es nie einen Moment, in dem ich mich zurücklehnte und dachte: „Na, das ist ja ein lustiges Abenteuer!“ Es war alles ziemlich schmerzhaft. Einer meiner Tiefpunkte kam in Myanmar (ehemals Burma), als ich mich auf der Jagd nach den Fischen in ein abgesperrtes Kriegsgebiet schlich. Das war ziemlich nervenaufreibend. Was die guten Seiten angeht, konnte nichts den Amazonas-Regenwald schlagen. Ich war zum ersten Mal in Südamerika, und ich befand mich Tage von der Zivilisation entfernt im Dschungel. Das Amazonasbecken ist so groß wie die kontinentalen Bundesstaaten der USA zusammen. Diesen Fakt kann man zwar nennen und man kann eine Vorstellung davon haben, dass es ein großer Fluss ist. Aber wenn man dann tatsächlich dort ist und versucht, zu einem seiner Nebenflüsse zu gelangen, ist es einfach unglaublich.

Dieses Interview wurde zugunsten von Länge und Deutlichkeit redigiert.

Der Artikel wurde ursprünglich in englischer Sprache auf NationalGeographic.com veröffentlicht.

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