Heizen mit Holz: Wie umweltfreundlich sind Kamine und Pelletöfen?

Gasmangel und explodierende Energiekosten: Die Nachfrage nach alternativen Heizquellen steigt rasant. Immer mehr Menschen denken dabei an Holz. Kann das gutgehen?

Von Jens Voss
Veröffentlicht am 27. Sept. 2022, 08:18 MESZ
Ein lodernder Kaminofen. Davor: Holzscheite und Pellets

Wohlige Wärme aus dem Kaminofen. Gut für Klima und Umwelt?

Foto von Adobe Stock

Über eine Million Holzheizungsanlagen gibt es in Deutschland. Außerdem rund 11 Millionen so genannte Einzelraumfeuerstätten. Dabei handelt es sich überwiegend um Kamin- oder Kachelöfen. Meist werden Holzscheite, Pellets oder Hackschnitzel verfeuert. Zum Vergleich: Mehr als 19 Millionen Heizungsanlagen laufen mit Gas oder Öl. Das hat der Bundesverband des Schornsteinfegerhandwerks errechnet.

Holz ist ein nachwachsender Rohstoff und damit theoretisch unendlich verfügbar. Aber wie umwelt- und klimafreundlich ist das Heizen mit Holz tatsächlich?

Holz: Ein CO2-neutraler Brennstoff?

Branchenverbände wie der HKI Industrieverband Haus-, Heiz- und Küchentechnik sehen moderne Holzfeuerstätten als nachhaltige Alternative zu Öl- oder Gasheizungen. Ein Hauptargument: Bei der Verbrennung werde genauso viel CO2 freigesetzt, wie zuvor im Holz gebunden war. Damit sei die Holzverfeuerung – bis auf die Aufbereitung und den Transport – CO2-neutral. Außerdem werde in Deutschland weniger Holz entnommen als nachwachse, betont der HKI und verweist dabei auf den Waldbericht der Bundesregierung.

Neue Anlagen würden außerdem viel weniger Schadstoffe produzieren als Altgeräte aus den 1990er Jahren. Dabei bräuchten sie für die gleiche Wärmeleistung bis zu 30 Prozent weniger Brennstoff. Mit modernen Einzelfeuerstätten und Holzzentralheizungen könnten „die Emissionen um bis zu 90 Prozent“ reduziert werden, sagt HKI-Präsidentin Christiane Wodtke. Billiger als fossile Brennstoffe sei Holz obendrein.

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Erneuerbare Energien: Holz spielt eine zentrale Rolle

Holz zählt zu den wichtigsten erneuerbaren Energieträgern. Fast zwei Drittel der erneuerbaren Wärmeenergie in der EU entsteht, indem Biomasse (also Holz und andere organische Substanzen) verbrannt wird. Für den Bundesverband der deutschen Heizungsindustrie (BDH) spielt Holz damit eine zentrale Rolle beim Klimaschutz.

Schon bis 2030 sollen die Treibhausgas-Emissionen in Deutschland um 65 Prozent gegenüber 1990 sinken. Ohne den Holzenergieausbau sei dieses Ziel der Bundesregierung aber nicht erreichbar. „Wir benötigen alle Energieträger, um die ambitionierten Klimaziele zu erreichen und uns von fossiler Energie unabhängig zu machen“, unterstreicht BDH-Mann Andreas Lücke.

Unterstützung kommt von der deutschen Politik. Das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) und die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) fördern emissionsarme Holzheizungen mit zinsgünstigen Krediten und Zuschüssen. „Regenerative Energie aus dem Wald oder aus Reststoffen der Holzverarbeitung leistet einen wichtigen Beitrag zum Gelingen der Energiewende“, betont das Bundeslandwirtschaftsministerium.

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Klimaschutz: „Wälder sind unsere engsten Verbündeten“

Ist Holz also ein nachhaltiger Ökobrennstoff? Umweltverbände sehen das anders. „Der wachsende Bedarf an Pellets, Holzscheiten und Holzhackschnitzeln treibt den Nutzungsdruck auf die Wälder immer weiter voran“, sagt Nabu-Bundesgeschäftsführer Leif Miller. „Dabei sind Wälder unsere engsten Verbündeten, um die globale Erderhitzung und das Artensterben zu bekämpfen. Anstatt sie zu verbrennen, müssen sie geschützt, schonend genutzt und ihre Kohlenstoffspeicher ausgebaut werden.”

Ein Hauptkritikpunkt: Die Holzverfeuerung sei keineswegs klimaneutral. Jede Holzernte verursache Waldschäden und verringere die Menge des Kohlenstoffvorrats im Wald. Gleichzeitig reduziere sich die auf Jahrzehnte angelegte Senkenleistung des Waldes. Der Grund: Alte, große Bäume würden ungleich mehr CO2 binden als junge, kleine Bäume.

Biomasse-Heizkraftwerke wie dieses verfeuern Holz zur Energieerzeugung.

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Der Wald als CO2-Quelle

Unter einer Senkenleistung versteht man das Vermögen eines natürlichen Reservoirs, mehr Kohlenstoff aufzunehmen als freizusetzen. Verliert ein solches Reservoir (zum Beispiel der Wald) allerdings mehr CO2 als es aufnimmt – zum Beispiel durch Rodung, Stürme, Waldbrände oder Borkenkäferfraß) – wird es zur CO2-Quelle.

„Wir können es uns in der aktuellen Situation gar nicht leisten, Holz derart intensiv als Energiequelle zu nutzen“, so Miller. „Der Wald als CO2-Senke für natürlichen Klimaschutz und als Lebensraum für tausende Tier- und Pflanzenarten ist bereits jetzt in Gefahr.“ Der Ausgleich dieser Belastung durch nachwachsende Wälder dauere Jahrzehnte bis Jahrhunderte.

Holz zu verheizen, helfe also nicht in der Energiekrise. Der Nabu empfiehlt stattdessen, vor allem auf Sanierung und Dämmung zu setzen, um Energie zu sparen. Das würde auch die Nutzung einer Wärmepumpe vereinfachen.

Mehr Feinstaub als im Straßenverkehr

Auch das Umweltbundesamt rät vom Heizen mit Holz ab. Grundsätzlich sollte die Senkenleistung der Wälder maximiert werden, um die ambitionierten Klimaziele zu erreichen. Dazu müsse aber mehr Holz neu nachwachsen als aus dem Wald entnommen wird. „Das klimafreundliche Potenzial zur Nutzung von Holz ist demnach begrenzt“, erklärt die Behörde.

Noch deutlicher fällt das Urteil bei der Schadstoffbilanz aus. Die Verbrennung in kleinen Kamin- oder Kachelöfen ohne automatische Regelung laufe nie vollständig ab. Auf diese Weise entstünden nicht nur klimaschädliche Gase wie Methan und Lachgas, sondern auch Ruß. Insgesamt falle beim Heizen mit Holz mehr Feinstaub an als im gesamtdeutschen Straßenverkehr.

Alles in allem sollte man mit Blick auf Klima, Umwelt und Gesundheit deshalb auf die Nutzung von Holz zur Wärmeversorgung verzichten. Stattdessen empfiehlt das Umweltbundesamt brennstofffreie erneuerbare Heizquellen wie zum Beispiel Wärmepumpen oder Solarthermie.

Auch das EU-Parlament sieht das Heizen mit Holz inzwischen kritisch. Mitte September hat es entschieden, dass Energie aus Waldholz-Verbrennung künftig nur begrenzt als erneuerbare Energie gewertet wird. Diese Einstufung gilt als Voraussetzung für die Bereitstellung von Fördermitteln. Damit wurde eine frühere Entscheidung kassiert.

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