Kaimane, Kobras, Killerwelse: Sieben Sommerloch-Geschichten, die Deutschland in Atem hielten

In schöner Regelmäßigkeit kriechen sie im Sommer aus ihren Löchern: Seltsame Kreaturen, die in der nachrichtenarmen Zeit für Aufsehen sorgen. Sieben tierische Sommerloch-Stars: von Kaiman Sammy bis zur angeblichen Löwin von Kleinmachnow

Von Jens Voss
Veröffentlicht am 18. Sept. 2023, 10:06 MESZ
Nahaufnahme eines Brillenkaimans, der frontal aus dem Wasser schaut.

Dieser Brillenkaiman schwimmt nicht in einem deutschen Baggersee, sondern im brasilianischen Pantanal.

Foto von Adobe Stock

Kaimane, Kobras, Killerwelse: Sieben Sommerloch-Geschichten

Kaiman Sammy (1994)

Ein Krokodil im Baggersee hält die Nation 1994 in Atem. Strenggenommen ist es ein Brillenkaiman aus Dormagen bei Düsseldorf, der seinem Herrchen beim Gassigehen an der Katzenleine entwischt ist. „Sammy“ taucht in einem Baggersee unter und bleibt mehrere Tage verschwunden. Der See wird gesperrt, die Feuerwehr rückt an. Wenige Tage später gelingt es Tauchern, das Reptil einzufangen. Sammy landet in einem Tierpark, sein damals 21-jähriger Besitzer steht vor allerhand Geldforderungen. Seine Honorare aus TV-Auftritten helfen ihm dabei, die Kosten für Feuerwehr und Seebetreiber zu stemmen. 

Kuno, der Killerwels (2001)

In deutschen Flüssen und Seen leben riesige Kreaturen mit ebenso großem Appetit: Welse oder Waller werden bis zu drei Meter lang und 200 Kilo schwer. Die gefräßigen Raubfische haben es vor allem auf andere Fische abgesehen. Bisweilen gehen sie aber auch auf Dackeljagd. Dieses Gerücht verbreitet sich zumindest im Sommer 2001. Angeblich hat ein riesiger Wels einen Dackelwelpen in einen Weiher in Mönchengladbach gezerrt und dort verschlungen. Bald machen sich Angler auf die Jagd nach „Kuno, dem Killerwels“. Vergeblich. Zwei Jahre später findet man einen toten Wels im See. Handelt es sich tatsächlich um Dackelfresser Kuno? Wie auch immer: Der 1,5 Meter lange Fisch wird ausgestopft und landet im ortsansässigen Museum Schloss Rheydt.

Braunbär Bruno (2006)

Offiziell lautet ein Name JJ1. Als „Bruno“ sorgt er im Jahr 2006 bundesweit für Aufsehen. Der zweijährige Braunbär ist aus dem italienischen Trentino nach Bayern eingewandert. Hier sucht er wiederholt menschliche Siedlungen auf, um Bienenstöcke und Ställe zu plündern. Rasch wird er als „Problembär“ eingestuft und zum Abschuss freigegeben. Heute kann er ausgestopft im Münchner Museum Mensch und Natur besichtigt werden. Brunos Schicksal hat eine neue Debatte entfacht: Bären in Deutschland – kann das gut gehen? Tatsächlich war Bruno der erste wildlebende Braunbär seit 171 Jahren, der sich auf deutschem Boden blicken ließ.

Bär Bruno im Museum Mensch und Natur in München. 

Foto von Hellerhoff / Wikimedia Commons

Schnappschildkröte Lotti (2013)

Im August 2013 verletzt ein mysteriöses Ungetüm ein Kind im Oggenheimer Weiher, einem beliebten Badesee in Bayern. Schnell ist die Rede von einem Reptil, das dem achtjährigen Jungen die Achillessehne durchtrennt haben soll. Tatsächlich besitzen manche Arten überaus kräftige Kiefer. Zoologen legen nahe, dass die Verletzung von einer amerikanischen Schnappschildkröte stammen könnte. Der Badesee wird gesperrt, Fische werden umgesiedelt. Dann lässt man das Wasser ab. Der Bürgermeister lobt sogar einen Finderlohn auf „Lotti“ aus. Doch die vermeintliche Monsterschildkröte bleibt verschwunden. 

Känguru Skippy (2015)

Im Sommer 2015 hüpft ein Känguru quer durch das Sauerland und sorgt damit in ganz Deutschland für Schlagzeilen. „Skippy“ ist ein Bennet-Känguru, auch bekannt als Rotnackenwallaby. Erst einen guten Monat später wird das australische Beuteltier auf einer Weide in Schweinsbühl im Kreis Waldeck-Frankenberg eingefangen. Bei einer sauerländischen Züchterfamilie findet es ein neues Zuhause. Nur ein Jahr später herrscht schon wieder Känguru-Alarm im Sauerland. Skippy 2 irrt monatelang durch Wiesen und Wälder – bis das Tier von einem Auto überfahren wird. Bis heute ist unklar, woher die Tiere eigentlich kamen.

Martial Arts im Tierreich: Känguru-Boxkampf
Wenn männliche Kängurus kämpfen, wird es ruppig. Die massigen Muskelpakete treten mit ihren großen Füßen so heftig zu, dass sie Knochen brechen und ihre Gegner sogar töten können. Szenen aus „Die gefährlichsten Raubtiere der Welt“.

Die Monokelkobra aus Herne (2019)

Die Ruhrgebietsstadt Herne im Sommer 2019: Im Treppenhaus eines Mehrfamilienhauses entdeckt eine Frau eine Schlange. Bald stellt sich heraus: Es handelt sich um eine hochgiftige Monokelkobra. In ihrer südostasiatischen Heimat ist das gut zwei Meter lange Reptil weit verbreitet und gefürchtet. Jahr für Jahr sterben zahlreiche Menschen durch den Biss der Giftschlange. Das 1,5 Meter lange Exemplar aus Herne versteckt sich im Häuserblock. Die Behörden sind in Alarmbereitschaft. Dutzende Bewohner müssen ihre Wohnungen verlassen. Nach fünf Tagen wird die Kobra bei Mäharbeiten am Haus aufgeschreckt und schließlich eingefangen. Das Tier soll einem Terrariumbesitzer entwischt sein. In seiner Wohnung findet man zahlreiche weitere Giftschlangen.

Die Löwin von Kleinmachnow (2023)

Löwe oder Wildschwein? Diese Frage beschäftigt im Sommer 2023 ganz Deutschland. Die vermeintliche Großkatze in den Wäldern südlich von Berlin hält im Juli hunderte Polizeikräfte auf Trab. Auslöser ist ein Video, das ein junger Mann an einem Waldrand aufgenommen hat. Nach erster Einschätzung der Polizei ist darauf eine Löwin zu sehen. Doch eine großangelegte Suche in den Wäldern rund um die Gemeinde Kleinmachnow bleibt erfolglos. Dann stellt sich heraus: Das angebliche Raubtier ist eigentlich ein Wildschwein. Das ergeben Untersuchungen von Kot- und Haarproben, die am Ort der Sichtung in Kleinmachnow gefunden wurden.

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