Tiere

Neuer Pinocchio-Frosch mit rätselhafter langer Nase entdeckt

Wissenschaftler entdeckten den kuriosen Waldbewohner zufällig während eines Regenschauers. Nun rätseln sie, welche Funktion sein Nasenfortsatz erfüllt.Tuesday, June 11

Von Jason Bittel
Ein Nördlicher Pinocchio-Baumfrosch, Litoria pinocchio, sitzt im indonesischen Fojagebirge auf einem Blatt.

In den Bergwäldern Neuguineas haben Forscher einen neuen Baumfrosch mit einer kleinen Besonderheit entdeckt: Die Männchen der Art tragen auf ihrer Nase einen länglichen Fortsatz.

Entsprechend eindeutig fiel auch der Name für die Art aus: Litoria pinocchio, der Nördliche Pinocchio-Baumfrosch.

Der Herpetologe Paul Oliver vom Queensland Museum und der Griffith University in Australien entdeckte diese ungewöhnlichen Amphibien bereits 2008 auf einer Expedition, als er und sein Team im indonesischen Fojagebirge vor dem Regen Schutz suchten.

Als er so dasaß und in der Gegend herumsah, entdeckte er einen der grün-braun-gelben Frösche auf einem Beutel Reis.

„Man könnte sagen, dass er uns gefunden hat, anstatt dass wir ihn gefunden haben“, sagt Oliver, der die neue Art offiziell im Fachmagazin „Zootaxa“ beschrieben hat.

Der Pinocchio-Baumfrosch ist einer der wenigen Australischen Laubfrösche (Litoria) in Neuguinea, die ein solches Rostrum aufweisen, wie man diesen Nasenfortsatz bei Amphibien nennt. Oliver und sein Team beschrieben in einer anderen Abhandlung, die ebenfalls in „Zootaxa“ erschien, vor Kurzem zwei weitere neue Arten.

Mittlerweile arbeiten er und seine Kollegen daran, der Funktion der possierlichen kleinen Schnuten auf die Schliche zu kommen.

„Besonders auffällig ist, dass sie aufrichtbar sind“, schrieb Oliver in einer E-Mail. „Manchmal sind sie ganz gerade aufgerichtet und ein andermal hängen sie herunter. Das sind also ziemlich komplexe Strukturen, die irgendeinen Zweck erfüllen müssen.“

Immer der Nase nach

Einer Theorie zufolge soll die lange Nase Weibchen beeindrucken – allerdings ist sie noch nicht ganz ausgereift, wie er zugibt.

„Als sich andere Biologen mit den Paarungsgesängen solcher langnasigen Frösche befasst haben, konnten sie keinen Zusammenhang zwischen der Länge der männlichen Fortsätze und den Weibchen, mit denen sie sich paarten, feststellen“, sagt er.

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Oliver vermutet, dass der Fortsatz den Fröschen auch dabei helfen könnte, in dem artenreichen Wald ihre eigenen Artgenossen zu erkennen. Mit mehr als 450 bereits beschriebenen Froscharten – und zahlreichen weiteren, die noch auf ihre Entdeckung warten – sind auf Neuguinea mehr Froscharten als auf jeder anderen Insel der Welt heimisch.

„Ich tendiere eher zur zweiten Theorie“, sagt Oliver. „Aber wie so oft in der Biologie wissen wir es in Wahrheit nicht wirklich.“

„Insel der Möglichkeiten“

Auch wenn ein Froschparadies nicht das Erste ist, was die meisten Menschen mit Neuguinea in Verbindung bringen, weist die Insel eine ähnliche Froschdichte auf wie der Regenwald des Amazonas, erzählt Debbie Bower, eine Umweltschutzbiologin der University of New England in Australien.

„Die fortlaufenden Entdeckungen einzigartiger Arten, die der Wissenschaft zuvor unbekannt waren, zeigen, wie wenig wir über den Artenreichtum abgelegener Orte wie Neuguinea wissen“, sagt Bower.

„Der Pinocchio-Baumfrosch ist ein Beispiel dafür und beweist, wie wichtig es ist, Schutzstrategien umzusetzen, die Bedrohungen wie den Chytridpilz berücksichtigen und uns darauf vorbereiten.“

(Skurriler Verwandter: Wissenschaftler fanden eine violette Froschart mit Schweineschnauze)

Tatsächlich bezeichnet Bower Neuguinea – wo der Chytridpilz bisher nicht nachgewiesen werden konnte – als „Insel der Möglichkeiten“, weil es ein sicherer Hafen für die Amphibien der Welt werden könnte. Im Fachmagazin „Frontiers in Ecology and the Environment“ veröffentlichte sie vor Kurzem eine Abhandlung, in der sie Neuguinea aufforderte, schon heute für die Ankunft des Pilzes vorauszuplanen, um seine Ausbreitung zu verlangsamen, wenn sie erst mal beginnt.

„Wenn wir uns nicht auf die Forschung und den Artenschutz für Gebiete wie Neuguinea konzentrieren, riskieren wir es, Arten zu verlieren, von deren Existenz wir noch nicht mal wissen.“

Der Artikel wurde ursprünglich in englischer Sprache auf NationalGeographic.com veröffentlicht.

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